Bürgerinitiative und Verein K22-jetzt. e.V.

 


Wer sind die Kläger gegen die derzeitige Planfeststellung?

Kläger sind die Eigentümer von zwei für den Straßenbau benötigten Wiesengrundstücken beiderseits der Esinger Straße. Diese Eigentümer wohnen nicht einmal in Tornesch sondern in Plön und in Stade. Sie werden also persönlich gar nicht von dem Verkehrslärm betroffen sein und sind auch nicht dem täglichen Chaos im Tornescher Zentrum ausgesetzt. Die eigentlichen Anlieger der Trasse haben dagegen nicht gegen die Planfeststellung geklagt. Über die Gründe weshalb die beiden Grundeigentümer teure Prozesse (in einem Zeitungsbericht ist von bisher 50.000 Euro die Rede) gegen die K22 führen, kann man spekulieren. Sind es vielleicht wirtschaftliche Interessen? Vielleicht hoffen sie, dass sich die jetzigen nahezu wertlosen Wiesen bei einem Wegfall der K22-Trasse möglicherweise in teures Bauland umwandeln lassen. Gestützt wird diese Vermutung durch die Begründung des Verwaltungsgerichtes, dass es den Klägern nicht zuzumuten ist, weitere 5 Jahre „an einer Entwicklung ihrer Grundstücke“ gehindert zu sein.


Was ist die Interessengemeinschaft Südtangente?

Die Kläger werden unterstützt von der Interessengemeinschaft Südtangente (IG), die selbst aber kein Klagerecht hat, da sie nicht direkt von der Maßnahme betroffen ist. Diese Interessengemeinschaft hat zwei alternative Vorschläge für eine Ortsumgehung gemacht, die aber völlig untauglich sind.




















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Variante 1:

Die Trasse der „IG Südtangente“ zweigt in Uetersen in Höhe des Zusammentreffens von „Tornescher Weg“ und „Wittstocker Straße“ von der K20 nach Südosten hin ab, verläuft dann durch unbebaute, vor allem agrarisch genutzte Flächen in Richtung „Wischmöhlenweg“, an welchen sie in Höhe der „Lehstwiete“ anbindet. Sodann verläuft sie entlang der „Lehstwiete“ und schwenkt an deren Ende leicht nach Osten um dann an die L107/“Pinneberger Straße“ anzuschließen. Im weiteren Verlauf soll an der Stelle des Bahnüberganges Prisdorf eine Untertunnelung der Straße erfolgen und der Verkehr dann durch Prisdorf geführt werden um dann an die Westumgehung Pinneberg anzuschließen. Ziel der Variante ist laut Interessengemeinschaft der Bau einer „echten“ Ortsumgehung, welche nicht den Stadtteil Esingen beeinträchtigt und einen Anschluss an die Westumgehung Pinneberg herstellt. Die Interessengemeinschaft spricht von einer Entlastung des Tornescher Zentrums durch ihre K22-Trasse von ca. 42% und mehr. Die IG bzw. ihr Gutachter haben jedoch keine eigenen Verkehrerhebungen gemacht;  Grundlage für das Gutachten der IG sind vielmehr nach eigener Angabe ihres Sprechers die Zahlen aus dem Verkehrsgutachten der Planfeststellung, also dem Gutachten, das die IG bzw. die Grundeigentümer als unbrauchbar beklagen!!!

Diese Trasse  der IG hat jedoch gravierende Nachteile:

  • Verkehre von der Autobahn 23, Abfahrt Tornesch, würden weiterhin durch Tornesch und Uetersen fahren.
  • Ohne Anbindung des Wischmöhlenweges würde es auch keine Entlastung für das Stadtgebiet Uetersen geben
  • Der Verkehr würde durch Prisdorf verlagert und den Ort zusätzlich belasten. Die kurvenreiche Ortsdurchfahrt Prisdorf ist jedoch jetzt schon kritisch. Bei einer Entlastung des Tornescher Zentrums wie angegeben um 42% würde das ein zusätzliches Verkehrsaufkommen in Prisdorf von rd. 8400 Fahrzeugen bedeuten und damit die jetzige Verkehrsbelastung mehr als verdoppeln.
  • Ein Vielfaches der Anlieger der K22 würden belastet werden
  • Die Bahnübergänge Gärtnerstraße und Denkmalstraße könnten nicht aufgehoben werden. Damit würden die innerörtlichen Verkehre weiterhin durch die Denkmalstraße und die Gärtnerstraße verlaufen.
  • Rd. 3,8 km Straße und damit ca. 80 - 85 % der Trassenvariante würden über Gebiete verlaufen, in welchen bisher keine Straße vorhanden ist. Dadurch wären erheblich größere Eingriffe in Boden, Wasser, Natur notwendig
  • Es würden landwirtschaftliche und unzersiedelte Flächen durchschnitten.
  • Mehrere landwirtschaftliche- / Baumschulbetriebe wären in ihrer Existenz gefährdet.

Noch schlimmer ist die andere Trassenvariante 2, die am Bahnübergang Prisdorf Richtung Norden abzweigt, durch die Bilsbek-Niederung verläuft und dann auf halber Strecke zwischen den Anschlussstellen Pinneberg-Nord und Tornesch eine weitere Autobahnanschlussstelle hätte. Hier kommen weitere Nachteile hinzu:

  • Das Landschaftsschutzgebiet der Bilsbek-Niederung stellt einen wichtigen Naturraum dar. Es gibt am Rande der Bilsbek wichtige Feuchtwiesen und Überschwemmungsgebiete. Eine solche Trasse ist aus Natur- und Landschaftsschutzgründen indiskutabel.
  • Eine neue Anschlussstelle an die A23 in Höhe der Müllverbrennungsanlage dürfte aus Sicht der Autobahnverwaltung nicht machbar sein. Die Chancen, dass sich der Bund hier engagiert muss mit nahezu Null eingeschätzt werden. Die Richtlinien für die Anlage von Autobahnen (RAA) sehen Knotenpunktabstände (Anschlussstellen) bei regionalen Autobahnen von mehr als 5000 m vor. Eine zusätzliche wie von der Interessengemeinschaft geplante Anschlussstelle würde die Abstände zu den Anschlussstellen Tornesch und Pinneberg-Nord auf ca. 2700 m bzw. 2300 m verkürzen. Das würde der Bund aus Gründen des Verkehrsflusses nicht akzeptieren.
  • Darüber hinaus müsste der Bund als Eigentümer der Autobahn die Anschlussstelle einschließlich der zugehörigen Autobahnbrücke finanzieren. Es dürfte ausgeschlossen sein, dass sich der Bund hier finanziell engagiert, wenn in unmittelbarer Nähe bereits zwei Anschlussstellen sind.

Landschaftsschutzgebiet Bilsbek-Niederung:



Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Alternativen der IG aus diesen Gründen niemals eine Chance hätten, realisiert zu werden. Die IG gibt vor, im Sinne der Tornescher Bürger zu handeln. Sie lenken jedoch nur von ihren eigenen Interessen ab. Die angebliche Entlastung des Tornescher Stadtzentrums von 42 % ist nicht nachvollziehbar. Im Gegensatz zum Gutachten der Planfeststellung, das an mehreren Orten im Netz einsehbar ist, veröffentlicht die Interessengemeinschaft ihr angebliches Gutachten nicht. Und selbst wenn man den Alternativen der IG eine minimale Chance auf Verwirklichung einräumen würde (die wir nicht sehen), würden diese Planungen wieder Jahrzehnte an Planungszeit und Rechtsverfahren bedeuten und damit weiter den unhaltbaren Zustand in Torneschs Zentrum zementieren. Die IG scheint uns wirklich so naiv zu halten, uns glauben zu machen, dass jede andere Trasse – wo immer sie verläuft - nicht durch andere Grundbesitzer und Anlieger z.B. aus Prisdorf, den betroffenen Landwirten und den Umweltverbänden genau so intensiv beklagt werden wird wie dies jetzt von der Interessengemeinschaft für die jetzige K22 passiert!


Diese einzigartige Landschaft will die IG Südtangente mit Ihrer Trasse zerstören!